Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Rosenbergkirche Stuttgart
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Rosenbergkirche Stuttgart

Erbaut wurde die Rosenbergkirche in den 50er Jahren von dem Architekten Erwin Rohrberg. Die Ev. Gesamtkirchengemeinde Stuttgart entwickelte gemeinsam mit dem Architekturbüro Stefan Kamm für die denkmalgeschützte Kirche ein neues Nutzungskonzept. Hauptgedanke war, neben der Nutzung als Kirche ein Zentrum für Kultur und Begegnung zu schaffen und so Anziehungskraft für die Umgebung zu gewinnen. Wie hat man das architektonisch umgesetzt?

Die Eingangssituation zur Rosenbergstraße wurde durch eine Neugestaltung der Zugänge zum höher gelegenen Vorhof der Kirche aufgewertet. Zwei als schmale Aufgänge gestaltete Treppen durchschneiden die Schutzmauer um das Kirchengelände und führen steil nach oben – schon der Zugang zum Kirchengelände hat damit Erlebniswert bekommen. Mit ihrer Eingangsseite steht die Kirche einladend leicht schräg gestellt an dem über dem Straßenniveau erhobenen Vorhof.

An die Kirche im rechten Winkel angedockt ist das ehemalige Konfirmandenhaus aus der Erbauungszeit, das denkmalgerecht saniert wurde und Jugendräume, Sekretariat und Generationentreff, also Platz für kommunikative Nutzungen enthält. Neue Öffnungen in der Kirchenwand vermitteln zwischen Drinnen und Draussen. Man befindet sich auf diesem Vorhof  in einer halböffentlichen Zone, erhöht über Straßenniveau gelegen, aber frei zugänglich, durch Brunnen und Umbauten als Hofsituation charakterisiert, Schutz bietend,  aber nicht abgeschottet.

Man betritt die Kirche durch eine Vorhalle, in der zur Rechten eine kleine Apsis angebaut ist, die Erwin Rohrberg  als Taufkapelle konzipiert hatte, doch wurde hier eine bronzene Pieta-Skulptur von Bernhard Jablonski platziert, zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs.

Der Bereich im Erdgeschoss unter der Empore kann als Bistro/Cafe helfen, den Hofplatz zu beleben. Wie sich eine lockere Geselligkeit und Gastronomie im Foyer mit der Pieta und der existentiellen Architektursprache des Kircheninnenraums verträgt war bestimmt einige Diskussionen wert, während die rein ornamentalen, als Raumteiler fungierenden historischen Betonglaswände von Gerhard Dreher das neue Design wunderbar aufwerten. Diese farbig verglasten Wände trennen die Vorhalle von einem zusätzlich gewonnenen Zwischenbereich, (er wurde quasi vom Gottesdienstraum abgezweigt) - er stellt einen Puffer dar zwischen alltäglicher Lärmigkeit und dem Gottesdienstraum. Man kann also ausreichend Abstand halten zwischen den unterschiedlichen Nutzungen. Eine mehrstöckige, von Fensteröffnungen und Durchgängen rhytmisierte gefaltete Wand trennt die Zone der Kommunikation vom Gottesdienstraum. In ihrer regelmäßig getakteten Gestalt nimmt sie formal die schwebenden Gewölbeschalen der Kirchendecke auf.

Die Empore, die ursprünglich für 240 Personen ausgelegt war, ist nun ein Gemeindesaal.

 Im Gottesdienstraum ist vor allem die gewonnene Helligkeit sein neues Merkmal. Zweifellos wirkt dieser Raum nun nicht einschüchternd und düster. Er ist trotzdem würdevoll. Das dominierende monumentale Mosaik des Weltenrichters von Rudolf Yelin  bekommt in Zusammenhang mit der neuen Leichtigkeit  freundlichere Züge. Die Anzahl der Sitzplätze wurde von 800 auf 250 reduziert. Die hochwertige hölzerne Bebankung ist geblieben, wurde nur im Farbton modifiziert. Den erhöhten Altarbereich hat man in den Raum hinein verlängert, ein Orchester mit Chor kann jetzt Platz finden, die Kanzel ist weiter Richtung Raummitte gerückt.

Nach er Umgestaltung kann man die dekorativen und die konstruktiven Elemente in diesem Raum nun besser wahrnehmen und sie in ihrer spezifischen Gestaltung würdigen, die Fenster, die gewellte Decke, die elliptische Grundform, die in der Altarzone kulminiert, wo auch das meiste Licht einfällt. Die Ausstattungsstücke und Kunstwerke aus den 50er Jahren entwickeln mit zeitlichem Abstand nun eine interessante Exotik.

Die architektonische Grundidee von gekrümmter Wandschale und aufgelegte Gewölbeschalen ist stilistisch bestimmend für diesen Kirchenbau und in ihrer Charakteristik wieder bewußt worden. Es ist gerade dies Raumkonzept, das die Rosenbergkirche zu einem Dokument des modernen Kirchenbaus gemacht hat und ihren Denkmalwert erklärt. Alle baulichen Veränderungen sind deshalb reversibel.

Die Kirchengemeinde und das Architekturbüro erhielten zusammen den Preis  der Stiftung KiBa ‘Innenansichten‘. Kirchen für Gemeinden von morgen“ 2014. Die Begründung der Jury lautete: Die konzeptionellen Veränderungen des Gottesdienstraumes, die Integration von Gemeinderäumen sowie eines weiteren Andachtsraumes und eines Cafés beachten die ursprüngliche architektonische Intention konsequent. Eine durchaus selbstbewusste und elegante Architektursprache hat es erfolgreich vermieden, dem Geist der Erbauergeneration zu widersprechen, und doch es ermöglicht, der gegenwärtigen Bedarfslage umfänglich zu entsprechen.

Text: Claudia Breinl, Fotos: Brigida Gonzalez

Quelle: Evangelische Gedächtnis- und Rosenbergkirchengemeinde, Kirchenführer (Stuttgart 2006)

KAMM  ARCHITEKTEN  BDA, Stuttgart,  www.kammarchitekten.dei Gkeka Stefan Kamm



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