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...Axel, Tadao, Steven, Charles-Edouard!

Architektur-Flash Mai 2009 von Carin Maria Lamm

Den Raum an sich als Thema der Architektur zu nehmen, ist keine neue Idee, die Tatsache besitzt eine Art pleonastischen Charakter, da der Raum in der Architektur immer enthalten ist oder der Raum aus derselbigen immer gedacht, wahrgenommen und hervorgebracht werden kann.

Aber wie erfährt der Mensch diesen Raum und im Besonderen, wie erfahren die planenden Menschen, sprich die Architekten den Raum an sich. Wo können die Positionen sein, aus denen geplant werden kann und was ist eine approbate Herangehensweise?

Diese Fragen haben wir, Carin Maria Lamm und Matthias Burghardt, uns am Lehrstuhl für Raumgestaltung -  Gestaltung bei Prof. Weber in Dresden u. a. im Fach “Raum, Farbe, Licht” im WS 2008/09 gestellt.
Exemplarisch möchte ich die möglichen Antworten anhand der absolvierten Übung “Speed Dating with…” vorstellen.

In dieser Übung mussten die Studenten spezifische Raumsituationen über Fotografien erfassen, ins Räumliche als Arbeitsmodell übersetzen und anschließend gut ausgeleuchtet als Fotografie wieder abbilden. Ziel war es, den Kern der Atmosphäre, des Raumes zu treffen und die Beziehungen von Raumgeometrie, Farbe und Licht zu ermitteln. Dafür standen Ihnen die unterschiedlichsten Materialien und Lichtquellen für die Innenraum-Arbeitsmodelle zur Verfügung.

Foto: Matthias Burghardt
Krematorium, Treptow von Axel Schultes

Es gab 2 Innenräume mit dem Schwerpunkt Licht (s/w Fotographie):
1) Church of Light, Osaka von Tadao Ando  (Bild siehe hier)
2) Krematorium, Treptow von Axel Schultes (Bild siehe links)

Und es gab 2 Innenräume mit dem Schwerpunkt Farbe (Farbfotographie):
3) La Tourette, Éveux-sur-l‘Arbresle von Le Corbusier (Bild siehe hier)
4) St. Ignatius Chapel, Seattle von Steven Holl (Bild siehe hier)

Die Studenten arbeiteten in Gruppen à 4 Personen. Der Zeitrahmen von 30 Minuten erzwang eine schnelle und eine aufs Wesentliche konzentrierte Arbeitsweise. Nach Ablauf der Zeit wurden alle Arbeitsmodelle zerstört und zum nächsten Tisch mit dem nächsten wartenden “Datingpartner”, der nächsten Fotografie gewechselt, bis alle Gruppen alle Stationen durchlaufen hatten.

Die Ergebnisse der erstellten Fotographien in Form eines morphologischen Kastens, der die vergleichende Betrachtung ermöglicht, sprechen für sich, wie eindrücklich die Atmosphären mit ganz unterschiedlichen Methoden realisiert worden sind.

Aber insbesondere die Arbeitsweise und die Methode des “Live-Modeling” hat bei den Studenten bleibenden Eindruck hinterlassen.
Die Erfahrung des unmittelbaren Erstellens einer Atmosphäre, des direkten Seins innerhalb dieser durch das Arbeismodell führte zu einer ganz anderen Raumwahrnehmung. Auch die Erkenntnis, dass durch diese Methode viel effizienter, schneller und eindrücklicher räumliche Ideen umgesetzt werden können als mit dem Computer durch z. B. Renderings war wichtig.

Der Philosoph Gernot Böhme beschreibt in seinem Buch “Architektur und Atmosphäre” zwei Grundkonzepte der europäischen Philosophie des Raumes: der Raum als spatium von Descartes und der Raum als topos von Aristoteles.

Spatium kann als der metrische Raum, der sich durch Abstände definiert, somit auch Orte und ihre Lagen bestimmen. Es sind die Maßverhältnisse durch die man sich z. B. Dinge vorstellt.

Topos kennt als der reine Ortsraum Umgebungen, Nachbarschaften und Lagebeziehungen, aber keine Abstände. Es ist der Ort, die Umgebung, in der man sich befindet.

“So gesehen ergibt sich ein Unterschied von Raumbegriffen, der nun wirklich für Architekten revolutionär ist: Raum als Raum leiblicher Anwesenheit und Raum als Medium von Darstellungen.”1 [Architektur und Atmosphäre, München: Wilhelm Fink Verlag 2006, S. 16]

Natürlich brauchen wir zum Planen beide Positionen, aber wichtig zur Überprüfung der Idee ist der gebaute Raum und die sich daraus entwickelnden Atmosphären, in die ich mich hineinbegebe, um nur so Ihre wirkliche Räumlichkeit zu erfahren.

Böhme fordert in seinem Buch eine Ausbildung von Atmosphärenkompetenz und ein sich daraus entwickelndes praktisches Konzept ästhetischer Bildung.
Ein erster praktischer Beitrag ist in unserem Kurs “Raum, Farbe, Licht” durchaus umgesetzt worden.
Fortsetzung folgt…!



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