Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: St. Augustinus Heilbronn - Architektur Flash Oktober
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Bauherr:                      

Katholische Kirchengemeinde St. Augustinus, Heilbronn

Pfarrer:                       

Markus Pfeiffer

Entwurf und Planung:   

pfeifer.kuhn.architekten Freiburg

Tragwerkskonstruktion: 

Prof. Dr. Ing. Dietger Weischede

Künstler:                      

Herbert Volz, Ulm (Altarrückwand, Altar, Ambo, Tabernakel,Osterleuchter,Taufbecken)          

Raphael Seitz, Heilbronn (Kreuzweg)

Fotos:                          

Ruedi Walti, Basel

St. Augustinus Heilbronn - Architektur Flash Oktober
von pfeifer.kuhn.architekten Freiburg
St. Augustinus, Heilbronn (Raumschale, Detail)

vorgestellt von Dirk Bayer

Als mich das Kirchbauinstitut fragte, ob ich einen Architektur Flash für die Internetseite schreiben möge,  war mir zwar bewusst, dass das Wort Flash im Gebrauch des World Wide Web für Interaktion oder als schnelle direkte Kommunikation  verstanden wird. Ich wollte es aber direkter verstanden wissen oder sogar übersetzen.

Was hat also ein Blitz mit Architektur zu tun? Ganz einfach: er hat Energie und dies ist wohl eines der meist verwendeten Worte der letzten Jahre in der Architektur. Also suchte ich ein Gebäude, das dem Kriterium Energie gerecht wird.                    

Dies klingt jetzt alles sehr einfach und evtl. auch platt oder wenig intellektuell. Aber es ist viel komplexer als ich es mir dachte. Ich starte mal einen Versuch meiner Interpretation.

Die 1926 von Hans Herkommer entworfene Kirche St. Augustinus in Heilbronn war wegen ihrer architektonischen Wuchtigkeit, der Ausbildung von Fenstern und des Umgangs mit dem Natursteinmauerwerk ein Beispiel expressionistischen Bauens. Besonders viel Kraft versprühte die eingestellte Raumschale, die als Zollinger Fachwerk ausgebildet war.

Sie bildete sowas wie die erste atmosphärische Energie des Raumes.

Kurzer Einschub, vielleicht bin ich auch nur auf diese Kirche gekommen, weil Hans Herkommer (* 1887 in Schwäbisch Gmünd; † 15. November 1956 in Stuttgart) eines der wenigen architektonisch guten Gebäude in Kaiserslautern errichtete.(Wohnhaus Gläser)

Herkommer studierte Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart als Schüler von Paul Bonatz und Martin Elsaesser. Herkommer entwickelte in den 1920er Jahren eine zeittypische expressionistische Formensprache und zählte in den 1920er und 1930er Jahren neben Dominikus Böhm und Rudolf Schwarz zu den führenden Architekten des katholischen Kirchenbaus.

Kommen wir aber zum jetzt und heute.

St. Augustinus, Heilbronn (damals)
St. Augustinus, Heilbronn (damals)
St. Augustinus, Heilbronn (heute)
St. Augustinus, Heilbronn (heute)
St. Augustinus, Heilbronn (Altarwand)
St. Augustinus, Heilbronn (Altarwand)

Die Herkommer Raumschale brannte im 2. Weltkrieg aus und der Bau wurde nur in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Schon im Wettbewerb schlugen pfeifer.kuhn.architekten eine Transformation der Idee des ursprünglichen Entwurfes der alten Raumschale vor. Zwei Dinge sollte die neue Raumschale symbiotisch vereinigen und lösen:die Lichtwirkung und die Energiefrage.

Sie setzt aber auch zwei Dinge frei.

Zum einen gibt das Raumfachwerk als Stahl-Konstruktion eine atmosphärische Energie für alle erlebbar in den Raum ab. Es strukturiert und gliedert den Raum zugleich und zitiert als Transformation das Alte und lässt so die Erinnerung am Ort. Der Schieferboden und das Gestühl aus Holz und Stahl erden den Raum im Kontrast zur leichten und lichten Raumschale.

Die zweite Freisetzung: Licht erzeugt Wärme. Die Fenster der nach Südost ausgerichteten Fassade wurden wegen des hohen Wärmeeintrages zum Teil zugemauert. Diese Maßnahme, die beim Wiederaufbau nach dem Krieg vollzogen wurde, führte zum Verlust des symmetrischen Innenraumes. Dies zerstörte zusammen mit der deutlichen Verringerung des Lichtes, die Imagination der Sakralität. Nun verteilt die neue Innenschale durch die Wiederherstellung der früheren Lichtverhältnisse das Licht wieder gleichmäßig. Die gewonnene Wärme hinter den Polycarbontplatten wird genutzt. Die Luftschicht zwischen Innenschale und Dach dient zur zusätzlichen Dämmung. Die erwärmte Luft wird mittels eines Lüftungsgerätes bewirtschaftet: In den Übergangszeiten von Frühjahr und Herbst sowie im Winter wird die solar erwärmte Luft zur Heizungsunterstützung genutzt. Das geschieht mittels Zuluftöffnungen in der Innenschale und Nachströmöffnungen in den Fenstern. Um die sommerliche Überhitzung zu vermeiden, wird die Wärme direkt abgeführt. Durch Nachtauskühlung des Luftpolsters wird eine Überwärme vermieden. Die Regelung erfolgt über die Luftfeuchtigkeit und Temperatur.

Wenn der gedankliche Umbau in den Gemeinden auch so viele Energien freisetzen würde, hätten wir keine Probleme mit Umnutzung, Verkauf, Abriss oder Leerstand von Kirchen.

St. Augustinus in Heilbronn ist eines der wenigen Beispiele, bei dem die Transformation durch den Umbau eine neue Qualität schafft, die sich mit den alten Qualitäten überlagert und dadurch eine Verstärkung des gesamten Baues zufolge hat.     

Der Raum tritt in Beziehung mit den Menschen. Eine der wichtigsten Aufgaben von Architektur.



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