Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: St. Bartholomäus Köln
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St. Bartholomäus Köln

St. Bartholomäus wurde 1959/60 von Hans Schwippert als schlichte dreischiffige Betonkirche erbaut. Die  abstrakten Glasfenster im Stil von Friedensreich Hundertwasser, hier aber von Giselbert Hoke, kamen erst in den 70er Jahren dazu. Schwippert hatte farbloses Glas gewählt, denn Ornament oder Dekor liegen dieser Kirchenarchitektur fern.  Der Kirchenbau von Hans Schwippert hat einen quadratischen Grundriss. Seine Konstruktion zeigt sich, - Betonbügel und geziegelte Wände. Die Geradlinigkeit in der Form hebt den Charakter der Baumaterialien hervor. Der Raum strahlt Ruhe und Bodenständigkeit aus und passt in den Arbeiterstadtteil Köln-Ehrenfeld

In Folge von Strukturänderungen in der Gemeinde wurde die Kirche in ihrer ursprünglichen Funktion  nicht mehr benötigt. Daher beschloss die Katholische Kirchengemeinde Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus, diese Kirche zu einem Kolumbarium umzuwidmen und hier ca. 2.000 Urnengräber anzubieten. Viereinhalb Jahre dauerte der Entscheidungsprozess im Erzbistum Köln. Es waren denkmalpflegerische Aspekte zu berücksichtigen, es sollte ein Bereich für Gottesdienst neben dem Urnenbereich bestehen bleiben und die Umbaumaßnahme und der Betrieb sich durch die Einnahmen des Kolumbariums tragen. Die Umgestaltung zum Kolumbarium übernahmen nach einem hochrangig besetzten Wettbewerb die Architekten Kissler und Effgen aus Wiesbaden.

Für die Aufgabenstellung dieser Grabeskirche gelang es den Architekten, einen abgegrenzten und doch vermittelten Bereich zwischen den Urnengräbern und dem Gottesdienstraum zu schaffen. Sie entwickelten etwas, das eigentlich der temporären Architektur näher steht als einem Ort, der mit der Ewigkeit zu tun hat. Sie erfanden eine Art Vorhang oder Netz aus Bronzeringen mit halbtransparenter Wirkung.  Diese schleierähnliche Konstruktion wird in ihrer textilen Anmutung noch verstärkt durch ein ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept. Die Kammer scheint entmaterialisiert. Aus ihrem Inneren heraus wiederum bleibt eine Ahnung vom Charakter des Umraums, dem speziellen Raumgefühl, das der Kirchenbau vermittelt. Während der Trauerfeier in der Kapelle kann das Licht so eingestellt werden, dass der Blick auf die Urnen in den Hintergrund tritt. Wird die Urne an ihren Platz getragen, kann der Umgang heller eingestellt werden, und die sakrale Kammer wird nun als leuchtendes skulpturales Raumelement wahrgenommen.

So erlebt man aus beiden Perspektiven die Hinzufügung des luftigen Quaders als Gewinn, sowohl für die Schwippertsche Architektur des Kirchenraums als auch für die neue Funktion als Grabeskirche.

 Die schrankähnlich wirkenden Urnenwände mit ihren vielen Fächern wurden an den Aussenseiten der Halle umlaufend angeordnet. Sie treten gestalterisch durch die immer gleiche Reihung und Taktung zurück. Durch die Wahl von brüniertem Messing sind sie  dennoch weit genug von einer praktischen und platzökonomischen Möblierung entfernt und erhalten eine gewisse Würde. Ihre Anordnung läßt  Kabinette entstehen, die Trauernden Rückzugsorte bieten.

Die einheitliche Messingtafel auf den immer gleichen Fächern für die Urnen kann mit frei gestalteten Schriftzügen, einem Bord für ewiges Licht und einer Blumenphiole eine persönliche Note erhalten. Die Monotonie einer solchen Urnenwand ist ästhetisch ein Gewinn gegenüber den wuchernden Schmuckformen auf Freilandfriedhöfen, allerdings als Erinnerungs- und Trauerort viel weniger nah bei den menschlichen Bedürfnissen.

Nach Ablauf der Zeit (z.B. 20 Jahre) wird die Asche  im „Ewigkeitsraum“ unter dem Boden des östlichen Umgangs deponiert. Die Namenstafel wird in der Kapelle im Nordwesten angebracht, um weiterhin an den Toten zu erinnern. Neben dem „Ewigkeitsraum“ und der Kapelle wurden in den Seitenschiffen der Kirche  Räumlichkeiten für Organisation und Seelsorge geschaffen.

Kissler + Effgen Architekten BDA, http://kissler-effgen.de/kontakt,

Fotografie: Dietmar Strauß, Besigheim

Text: Claudia Breinl

 



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