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Die kleine romanisch-gotische Kirche St. Klara in Nürnberg steht als sogenannte "Citykirche" allen offen. Sie hat keine feste Gemeinde und bietet sich daher für eine besondere Nutzung an. Die „Offene Kirche St. Klara“ wendet sich mit ihren Angeboten nicht nur an Christen, besonders auch an indifferent religiös Interessierte und kirchlich nicht mehr oder noch nicht gebundene Menschen.
2007 war die Renovierung und Umgestaltung durch das Architekturbüro Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth / Würzburg abgeschlossen. Es sollte dabei dem besonderen Profil der Stadtkirchenarbeit in St. Klara zugearbeitet werden: ein öffentlicher Raum in der Stadtöffentlichkeit und ein Schutz- und Rückzugsort für den und das Einzelne zu sein.
Seit 2004 hat sich die Kirche als der „Raum für Trauer“ etabliert. Beim Marienretabel ist eine Wand für Trauer und Klage vorgesetzt. In 200 Bohrlöcher können Zettel des Gedenkens an Verstorbene gesteckt werden. Es gibt eine Trauerandacht an jedem letzten Freitag im Monat, Andachten für verwaiste Eltern und für Hinterbliebene nach Suizid, sowie einen regelmäßigen Trauerkreis in Seminarform. Daneben gehört ein vielfältiges kulturelles Angebot zum Profil, ebenso wie spezielle Themenschwerpunkte, wie z.B. seit 1998 der „Gottesdienst für Mensch und Tier“ oder die „Lebensfeiern“ als Gottesdienste für Menschen, die in eine bestimmte Altersdekade gerückt sind.
Die Eingangskapelle bildet die meditative Übergangszone zwischen dem lauten Stadtbereich und dem Kirchenhauptraum.
Die Kapelle wird durch eine geschwungene Wand charakterisiert, die aus übereinander geschichteten dünnen Glasplatten und lackierten MDF Platten aufgebaut ist. Die beiden Materialien prägen durch ihre unterschiedlichen Lichtdurchlässigkeit und Reflexionen den Raum atmosphärisch und farblich. Die Kombination der gotischen Madonnenfigur mit diesem architektonischen Designelement ist gewagt, aber auch ein Statement, wie mit zeitgenössischen Mitteln eine bestimmte Raumatmosphäre zu erzeugen ist. Die bergende Dunkelheit des Kapellenraumes wird zusätzlich betont durch einen Fußbodenbelag aus schwarzem Granit.
Aus diesem dämmrigen Bereich gelangt man unter der (nach dem Umbau) frei schwebenden Empor hindurch in den lichten Kirchenraum. Alle Oberflächen - Putz, Dachstuhl, Einbauten und Möbel – sind hier in hellen Grautönen gefasst. Für den Boden und als Material für Ambo und Seitenaltäre wurde der freundlich helle Krensheimer Muschelkalk gewählt.
Zugemauerte Arkaden legten die Architekten wieder frei, entfernten Einbauten wie Beichtstühle, Stuhllager und feste Bänke, die noch aus der Nachkriegszeit überkommen waren. Die neuen Beichtstühle und Stuhllager befinden sich raumsparend in vorhandenen Mauernischen. Das von den Architekten entworfene Gestühl aus massiver Eiche wurde beweglich gestaltet. Der Hochaltar wurde für mehr Freiraum in der Liturgie und neue Feierformen abgebrochen.
In die Fenster sind nun mundgeblasene Butzenscheiben eingesetzt, denen innen beschichtetes Floatglas vorgesetzt ist. So kann viel natürliches Tageslicht den Raum erhellen.
Text: Claudia Breinl
Foto Kapelle aussen: Oliver Heinl, Rednitzhembach; alle anderen: brückner & brückner architekten
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart