Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Wegekapelle
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Wegekapelle

Wegekapelle in  Wittlich

Die katholische Kirche St. Mariae Rosenkranz von 1939 wurde im Jahr 2015 entwidmet und dann verkauft, um Sparauflagen des Bistums Aachen umzusetzen. Käufer von Kirche, Pfarrhaus Gemeindesaal und umliegendem Land war die Stadt Wittlich.

Einen guten Weg hat die Kirchengemeinde gefunden, um mit dem Verlust ihres historischen Kirchengebäudes, mit dem sie sich sehr identifiziert hatte produktiv umzugehen. Man wollte den Verlust der Kirche und damit auch einer Heimat und dazu den Verlust von kirchlicher Präsenz in der Öffentlichkeit nicht sang- und klanglos  hinnehmen. Man handelte mit der Stadt Wittlich einen Erbbauvertrag für 99 Jahre aus. Mit den  finanziellen Mitteln aus dem  Kirchen- und Grundstücksverkauf wurde das Projekt einer Wegekapelle an der vielbefahrenen Krefelder Straße verwirklicht. Eigentlich kennt man Wegekapellen eher aus der Wallfahrt oder dem traditionellen ländlichen Regionen Süddeutschlands, wo sie als Flurkapellen begegnen.

Hier wurde ein spiritueller Ort geplant, der der Gemeinde Trost für den Verlust der alten Kirche bieten könnte und auf jeden Fall wollte man den Ort mit der Öffentlichkeit teilen. So entstand die Idee einer offenen Wegekapelle an einer stark befahrenen Straße zu zwei Autobahnauffahrten.

Das Architekturbüro Gregor Dewey hat dafür die charakteristische Form des Hauses als Zeichen für Heimat, Schutz, Geborgenheit gewählt. Der Symbolcharakter wird deutlich, indem das kleine Gebäude sozusagen von „Kopf bis Fuß“ aus einem Material besteht, nämlich aus vulkanischen Tranchyt-Gestein, das in großflächigen Scheiben und markanten Fugen zusammengefügt ist zu einer  Klause oder einem Schrein. Jedenfalls ist eine zeichenhafte Form entstanden, die Vorbeifahrende oder Vorbeigehende zum Innehalten verlocken kann.

Der Eingang  stülpt sich durch einen Cortenstahl - Windfang auffällig nach aussen. Man kann sich hier unterstellen und erst mal verharren, bevor man den kleinen Andachtsort betritt. Maximal finden darin  acht Personen Platz. 

Die Marienskulptur aus der Vorgängerkirche dominiert als Andachtsbild und wird architektonisch integriert durch schmale Lichtschnitte in der Steinwand vor der sie platziert ist und eine zeichnerisch wirkende goldene Wandarbeit (Stahl, gelasert, vergoldet) von Jürgen Drewer. Die  seitliche Fensterbank ist für Opferkerzen vorgesehen, deren flackernde Lichter auch von draussen wahrgenommen werden und den Ort belebt und einladend wirken lassen. Auch die Marienfigur ist von außen zu sehen. Unsichtbar, aber für die Gemeindeglieder spürbar ist, dass unter dem Fußboden die Altarplatten der ehemaligen Kirche ruhen und die Grundsteine der Pfarrkirche St. Mariae Rosenkranz sich im Figurensockel befinden.

Die Fensterbänder und die gläserne Eingangstür sind von Jürgen Drewer  in Grautönen und Schwarzlotzeichnung gestaltet,  sehr zurückhaltend und ohne Farbe, damit der kleine Raum von 2,5 x 5 Metern nicht überfrachtet wird.

Wie ein Bild einen Rahmen, so brauchte das kleine Gebäude eine Außenbereichsgestaltung, damit es eine Wirkung gegenüber der Straßensituation  entfalten kann. Als raumschaffendes Gegenüber des Eingangs steht eine Glocken-Stele mit der ehemaligen Sakristeiglocke. Ergänzt durch eine Hainbuchenhecke und einen Ginkobaum stellten diese Elemente ein Raumgefüge her, das die Kapelle an diesem Ort verankert. Zwei Monate dauerte die Bauzeit, die Kosten lagen bei 156.000 €.

Text: Claudia Breinl /Fotos: © Gregor Dewey

Architekt: Gregor Dewey

Renderings: Ronja Danner, dbap architekten, Viersen

Material: vulkanischer Trachyt, Realisierung mit Christoph Schwartzenberg

Künstler: Jürgen Drewer

Ort: Krefelder Straße 324, 47877 Willich



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