Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Weniger Masse - mehr Raum
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Weniger Masse - mehr Raum
Architektur Flash September 2009

Entwurf: Architekturbüro Meixner – Schlüter – Wendt

Der Umbau der Dornbuschkirche in Frankfurt am Main

vorgestellt von Sven Sabary

Unter den kirchlichen Um- und Neubauten der letzten Jahre fällt besonders die Dornbuschkirche in Frankfurt am Main auf. Selten wurde bei einem Rück- und Umbau ein sakraler Ort geschaffen, der die folgenden drei Aspekte auf solch gelungene Art und Weise miteinander vereinbart:

1)    Im Zuge der notwendigen Verkleinerung des bestehenden Gebäudes wurde mehr als die Hälfte der vorhandenen Bausubstanz entfernt. Dennoch konnten Bauteile, die den Vorgängerbau besonders prägten und nun abgebrochen worden sind, für das kollektive Gedächtnis der Gemeinde räumlich neu erfahrbar gemacht werden.
2)    Andere Bauelemente, die erhalten werden konnten, wurden in den Sakralraum neu integriert und erhielten dadurch eine veränderte räumliche Relevanz als auch eine verstärkte liturgische Dimension.
3)    Der jetzige Gottesdienstraum besitzt eine unverwechselbare Identität und trotz des verringerten Volumens eine größere erlebbare Intensität, die sich sowohl in der Zunahme der Gottesdienstbesucherzahlen als auch in der Verbundenheit der Gemeinde mit ihrem Kirchengebäude ausdrückt.

Foto: Christoph Kraneburg
Foto: Christoph Kraneburg

 

Bei der 1962 im Frankfurter Norden errichteten Dornbuschkirche bestand bereits Mitte der 1980er Jahre ein erheblicher Instandsetzungsbedarf und im Blick auf die Gemeindegröße ein Flächenüberangebot, dass sich negativ auf die Gottesdienstatmosphäre auswirkte. Die Kirche wurde auf einem Grundstück errichtet, das die Gemeinde im Erbbauverfahren gepachtet hat. Laut Erbbauvertrag sind nur kirchliche Nutzungen zulässig sind. Somit kam eine intensivere Neubebauung für andere Nutzungen zur immobilienwirtschaftlichen Ertragssteigerung nicht in Frage.

Der anfängliche Gedanke eines vollständigen Abbruchs zugunsten eines neuen Pavillons wurde verworfen. Im intensiven Dialog mit dem Architekturbüro Meixner – Schlüter – Wendt aus Frankfurt am Main wurde ein theologisch reflektiertes und architektonisch überzeugendes Gesamtkonzept entwickelt. Aufgrund des „frühzeitigen Zusammenwirkens aller Beteiligten“  war es möglich, für die gemeindlichen Wünsche verschiedene Realisierungsvarianten zu prüfen. Der Gemeinde lag vor allem die Erhaltung des 125 m² großen Buntglasfensters im alten Chorraum der Kirche am Herzen. Hans Adam hatte es 1958 für den Nachkriegsbau geschaffen. Diese Darstellung des gekreuzigten und zugleich segnenden Christus hat eine besondere Identifikationskraft für die Gemeinde. Der Turm und der Chorraum wurden erhalten, der Rest des Kirchengebäudes abgebrochen.



Als neue, vierte Wand des verkleinerten Sakralraumes wurde eine plastisch gestaltete Raumgrenze entworfen, in der sich prägnante Bau- und Ausstattungselemente der alten Kirche, die Eingangsfassade, der Altar und die Empore im Maßstab 1:1 als Negativbild ausgeformt wieder finden. Dadurch entstanden zwei Fassaden, eine für den neu gewonnenen Außenraum, dessen jetziger Bodenbelag den Grundriss der alten Kirche nachzeichnet, sowie eine für den Innenraum. Beide können als liturgischer Hintergrund bei Gottesdiensten genutzt werden. So wurden Identitätsmarker visuell und haptisch erfahrbar in die kollektive Erinnerung der Gemeinde eingeschrieben. So bleibt „die Geschichte des Ortes im Gedächtnis“ .

Der neue Sakralraum bietet nun die Chance, den Gottesdienst vor jeder der vier Wände zu feiern. Darüber hinaus sind weitere Nutzungen, gerade auch durch die Zuschaltbarkeit des benachbarten Gemeindesaals, möglich. Der Entwurf wurde mehrfach ausgezeichnet  und publiziert . Peter Kulka, der Jury-Vorsitzende der Wüstenrot-Stiftung, fasste zusammen: „Der Verlust an Masse führt zu einem Gewinn an Raum“ . Das spürt auch die Gemeinde. Ihr Pfarrer, Joachim Krein, formulierte es einmal folgendermaßen: Die Gemeinde ist gewachsen und erlebe „mehr Kirche als früher“ . 

Foto: Christoph Kraneburg
Foto: Christoph Kraneburg
Die Dornbuschkirche ist auch werktags geöffnet. Die aktuellen Öffnungs- und Gottesdienstzeiten sind über das Gemeindebüro: Carl-Goerdeler-Straße. 1, 60320 Frankfurt, Telefon: (069) 563606 und unter www.dornbuschgemeinde.de zu erfahren.


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