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"Architecture parlante" war Markenzeichen des Revolutionsarchitekten Claude-Nicolas Ledoux (1763-1806). Seine Gebäude sollten die soziale und politische Ordnung reflektieren. Das Haus des Fischers erzählt vom Fischen, dasjenige des Reifenmachers vom Reifen machen. "I love Ledoux" soll Simon Ungers gesagt haben (Katalog S. 25). Vor diesem Hintergrund lassen sich Ungers schwere Metall-Entwürfe, die im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt präsentiert werden, als Ausdrucksträger von sozialen und politischen Ideen entziffern. Es sind ornamentlose geometrische Formen, die den wesentlichen Gehalt repräsentativer Gestaltungsaufgaben in einer Gesellschaft formulieren: Die Idee des Musealen, des Theatralischen, des Literarischen und die Idee des Religiösen.
Ungers Entwurfs einer Kirche für Leipzig und der Titel der Arbeit - erat eccelsia, once were cathedrals - erzählt folglich von der Aufgabe Kirchen zu machen bzw von der Vergeblichkeit eine Kirche gemacht zu haben. Denn Leipzig ist der Ort des realen Verlustes einer Kirche: die 1968 in einem Akt der Willkür von der DDR-Regierung gesprengte gotische Universitätskirche. Ungers Titel verweist aber auch auf einen ideellen Verlust: Die Ordnung der Welt und damit die Idee des Kirchenbaus, die in dieser Ordnung zentriert ist, geht in der Moderne verloren. Allerdings sind Simon Ungers Entwurfs-Objekte nur ein indirekter Hinweis auf ein Verlorenes, insofern diese, ohne originell sein zu wollen, versuchen die Ordnung der Dinge wiederherzustellen und ihr wieder eine objektive Form zu geben. Das Erbe des früh verstorbenen Ungers besteht in diesem kühnen und utopischen Versuch die Architektur im 21. Jahrhundert, einschließlich des Kirchenbaus, wieder in einer ideellen Ordnung und der daraus resultierenden Objektivität ihrer Formen zu verankern.
Thomas Erne
Literatur :
Simon Ungers, Heavy Metal, hg.v. P Schmal/O. Elser, Frankfurt 2008
H.-W. Kruft, Geschichte der Architekturtheorie, München 1985
E. Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Grundrisse einer besseren Welt, Bd.II, Frankfurt (1959)1980, 819-872
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart