Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: längste Altar der Welt
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längste Altar der Welt
ein Kunstprojekt der Kirchentrojaner und des ev. Kirchenkreises Stuttgart

 

"Der längste Altar der Welt" - hinter diesem –zugegebenermaßen- provozierend frechen Titel verbirgt sich nicht evangelische Gigantomanie, sondern das Anliegen, Gott und Welt, Kirche und Stadt in Beziehung zu setzen.

An einem der turbulentesten Tage in Stuttgarts Innenstadt, am Samstag, 5. Juli 2008, soll mitten auf der Königstraße eine soziale Altar-Skulptur entstehen.

Warum ist dieser Tisch auf der Königstraße ein Altar?

Ein Altar steht doch in einer Kirche?

Was ist Überhaupt ein Altar?

Das Material, aus dem die Skulptur „der längste Altar“ gebaut ist, war zwei Monate in der Jugendkirche im Einsatz. Die Holzbohlen haben immer wieder neue Räume geformt, die versucht haben, den Raum zwischen der subkulturellen Alltagswelt der Jugendlichen und religiösen Themen zu gestalten.
Dabei hat das Material und seine Fügung eine fast banale, archaische Erscheinung, etwas von einer Bauernarchitektur. Die Überhöhung dieser Konstruktions-Ästhetik ist eine Gratwanderung, die etwas vom Wesen des Altars selbst vermittelt. Wir denken, ein Altar ist ein Ort, an dem jeder einzelne Mensch ein konkretes, persönliches Erlebnis an der Grenze zwischen Alltag und einer Frage darüber hinaus haben kann.
Aber was macht ein Altar in der Shoppingstraße von Stuttgart?
Wir haben uns daran gewöhnt, dass Innenstädte Konsummeilen geworden sind. Städtisches Leben ist aber weit mehr als das Befriedigen eines Kauf-Rausches.
Der in dem Titel mitschwingende Superlativ bedient sich bewusst der Sprache des Shoppens von „höher, schneller, weiter.“ Auch seine räumliche Präsenz kommt dem sehr nahe. Aber dem Altar fehlt etwas: Ein Zweck.

„Wer die Fähigkeit verliert zu spielen, verliert das Gefühl dafür, dass die Welt plastisch ist... “ Richard Sennett

Stattdessen ist die Skulptur „der längste Altar“ für uns ein Experiment, dem öffentlichen Raum eine erweiterte Dimension des selbstvergessenen Spiels und des zufälligen Ausprobierens zu geben.

Architektenteam „Kirchentrojaner“
Aaron Werbick, Martin Blumenroth, Gerald Klahr


Was geschieht, wenn der Altar aus dem Kirchengebäude heraustritt und mitten auf der Straße – ganz groß – plötzlich - für kurze Zeit – erscheint? Die 8-stündige Skulptur „längster Altar der Welt“ auf der Stuttgarter Königstraße am 5.Juli 2008 stellt diese Frage und konfrontiert einen heiligen Gegenstand mit dem öffentlichen Raum. Die Idee und Umsetzung stammt von dem Architektenteam „Kirchentrojaner“, das seit meh¬reren Jahren durch räumliche Interventionen in und im Zu¬sammenhang mit Kirchengebäuden sinnliche und sinnerfüllte Fragen stellt und die Kirchen zu einem neuen Blick auf sich selbst herausfordert.
Was geschieht, wenn der Tisch zum Altar wird und der Altar zum Tisch?
Bis zum 4. Jahrhundert galt in der Christenheit, dass der häusliche Tisch beim Gottesdienst zum Altar „transformierte“, denn Gottesdienste fanden im privaten Raum statt. Ist dem kirchlichen Altar heute noch anzumerken, dass er auch ein Tisch ist, an dem man sich satt essen, erzählen und lachen darf?
Und umgekehrt: Die alltäglichen Erfahrungen der Sättigung, des Gesprächs am Tisch, die Gesten, Gefühle und Worte können auch heilige Momente beinhalten, Momente der Erfahrung, dass Himmel und Erde sich berühren.
In den Kirchen ist der Altar räumliches Zentrum und Flucht¬punkt, und im Gottesdienst unterbrechen wir den Alltag um uns zu öffnen für das Göttliche, das uns sättigt - und um transformiert wieder in den Alltag zu gehen.

Petra Dais (Jugendpfarrerin)
Claudia Trauthig (Pfarrerin, Projektleiterin „Kirche zieht Kreise“)
Dr. Gisela Matthiae (Pfarrerin, Clownin)



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