Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Lichtkunstwerk
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Lichtkunstwerk
Ein Herz für die Stadt

Das Marburger Lichtkunstwerk „Siebensiebenzwölfnullsieben“ von Helmi Ohlhagen

Der 7. 7. 1207 ist der mutmaßliche Geburtstag der heiligen Elisabeth von Thüringen. Gestorben ist sie 1231. In den nur 24 Jahren ihres kurzen Lebens machte sie sich einen Namen durch verschwenderische Barmherzigkeit und bedürfnislosen franziskanischen Lebensstil. Als der heilige Franziskus 1226 starb, ließ er Elisabeth, seiner Schwester im Geiste, seinen Mantel senden. In Marburg wohnte die jung verwitwete Königstochter, nachdem sie die Stammburg ihres Mannes, die Wartburg bei Eisenach, verlassen musste. Sie trat in Marburg den Franziskanerinnen bei, gründete ein Hospital und pflegte hingebungsvoll Kranke und Sieche. Vier Jahre nach ihrem Tod wird Elisabeth heilig gesprochen. Ihr Grab in der Marburger Elisabethkirche wird zum Zentrum einer großen Pilgerbewegung.

(09905) 7-7-1207 ist aber auch eine Telefonnummer. Wer diese Nummer wählt wird von einer freundlichen Frauenstimme darauf aufmerksam gemacht, dass das Herz leuchtet, solange er in der Leitung bleibt. Wohnt der Anrufer in Marburg (sonst: www.marburg.de/webcam), dann sieht er auch, was die freundliche Stimme ihm sagt. Hoch über der Stadt am Kaiser-Wilhelm-Turm leuchtet bei Nacht eine violettfarbene Blattpflanze mit zwei herzförmig nach unten gebogenen Rauten. Die Künstlerin Helmi Ohlhagen hat das Motiv dem Portal der Elisabethkirche entnommen. Wählt jemand 09005 7-7-1207 beginnt um die 8 m große Ranke ein rotes Herz zu leuchten und strahlt über der Stadt in den nächtlichen Himmel – bis der Anrufer wieder auflegt. Jeder kann sich an dieser Leuchtreklame für die Liebe beteiligen. Das spektakuläre Lichtkunstwerk wirbt mit modernen Mitteln – Neonlicht und Handy – für die uralte Idee christlicher Nächstenliebe, für Elisabeth und ihr großes Herz für Arme und Kranke. Denn das Marburger Licht-Herz lässt nicht nur jede Nacht die Idee der Liebe wieder neu aufstrahlen. Die „Kunst-by-Call“, so Marburgs Kulturamtsleiter Richard Laufner, bewirkt auch Liebevolles: Jeder Anruf spielt Geld ein für zwei soziale Projekte, den gemeinnützigen Verein Mobilo und  die Begegnungsstätte für Pilger und Besucher der Elisabethkirche.

Ist die „heitere zentrale Werbeidee“ für das Elisabeth purer Kitsch oder eine populäre Kunst, die geschickt den medialen Spieltrieb mit ethischen Zielen koppelt und damit hochwirksam den öffentlichen Raum besetzt? Nichts spricht dagegen, dass das Marburger Beispiel Schule machen sollte. Andere Städte haben auch ihre Wohltäterinnen. Stuttgart zum Beispiel eine Königin Olga, oder Kirchheim eine Franziska von Hohenheim. Im Jahr 2022 flammt dann auf dem Stuttgarter Fernsehturm ein Olgaherz. Oder 2011 wird ein Franziska-Herz in Kirchheim auf der Teck per Handyanruf zum Leuchten gebracht werden. So würde die Idee der Liebe die Nacht illuminieren über Stuttgart, Bielefeld, Kassel oder Frankfurt. Und nebenbei hätten auch dort die Armen und Kranken etwas davon.

Eine Einführung in das Marburger Lichtkunstwerk mit Texten von Susanna Kolbe und Christa Lichtenstern ist im Jonas Verlag Marburg  (www.jonas-verlag.de) erschienen.

 

Prof. Dr. Thomas Erne



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