Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Spuren des Geistigen - Traces du Sacre
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Spuren des Geistigen - Traces du Sacre
Haus der Kunst München, 19. September 2008 bis 11. Januar 2009

 

Haus der Kunst München, 19.September 2008 bis 11.Januar 2009

Katalog: Spuren des Geistigen, traces du Sacré, München, Berlin, London New York 2008  ISBN 978-3-7913-4166-8 (nur in der Buchhandlung Walther König)

 

Wie gestaltet ein Künstler seine messianischen Gefühle und wie geht er mit den Eindrücken des Bösen um?  Oder noch einmal anders: Wie finden die Sehnsüchte nach immanentem Himmel und oder weltinterner Hölle in Bildwerke hinein?  Die Eindrücke, die mit dem Transzendenten zu tun haben, werden im Zusammenhang der Säkularisation bzw. Entzauberung aller Lebensbereiche zu einer neuen Gestaltungsaufgabe für die Künstler. Selbst wenn die alte religiöse Bildsprache nicht mehr Antworten geben kann, sind die Fragen nach dem Sinn des menschlichen Lebens und des Kosmos nicht obsolet. Die Ausstellung sucht deshalb einen Zugang zu einer Moderne, die über die rein ästhetische Erneuerung nach Manet hinausgeht und die spirituellen Fragen erkundet.So macht sich, wie der Titel der Ausstellung nahe legt, der Betrachter auf die Spurensuche und wird konfrontiert mit einem Wechselbad der ästhetischen Erfahrung: Goya macht den Anfang: die „Desastres de la Guerra“. Was ist, wenn in das düstere Spanien nicht das Licht der Aufklärung kommt, stattdessen Napoleon die Verzweiflung und das „Nichts“ zurücklässt? In bewundernswerter Weise schaffen die Romantiker die Wendung. C.D. Friedrichs „Ruine in der Abenddämmerung“ zeigt ein kleines Feuer, das Männer unter einer Kirchenruine am Brennen halten. Es scheint den gesamten Himmel zu erhellen und somit die neue Zeit anzukündigen. Doch die messianische Glut im Inneren des Menschen wird fast wieder zum Erlöschen gebracht: Drei schwarze Flächen von Damien Hirst aus Fliegen und Harz, die alles Licht zu verschlucken scheinen mit dem Titel: „Forgive me Father for I have Sinned“. Doch die Menschheit ist nicht verloren: Nietzsches Behauptung aus der „Fröhlichen Wissenschaft“: „Gott ist tot“  wird illustriert mit einem dreckigen Gelächter in einer zu durchschreitenden black box. Zuvor sieht man Edvard Munchs Nietzschebild über dem Türrahmen: Damit ist das Experimentierfeld frei und der Künstler „der tyrannischen Herrschaft seiner inneren Visionen unterworfen“. (Katalog S. 14)

Diese Suche nach dem „Geistigen“ (in Anlehnung an Kandinskys Schrift von  1911), wie es in der nun in der Münchner Kunsthalle laufenden Ausstellung heißt bzw. „sacre“ in Paris, findet nun in 16 unterschiedlichen  Themenbreichen statt und man sieht eine Überfülle von „Ikonen“ der Kunst des 20. Jahrhunderts.   Zu Beginn sieht alles irgendwie nach Monte Verità aus: frühe Mondrians und Rudolph Steiner bei den synkretistischen Beispielen und Bilder des Blauen Reiters, der Hexentanz von Mary Wigmann als Beispiel für Ekstase und die Kommentierung durch die Brücke-Maler, Beuys’ Aufenthalt bei den Wölfen in seinem Video: „I like amerika and amerika likes me“ läuft neben dem Zigaretten rauchenden Pollock während eines Droppings. So erhält Kunst eine schamanische Kraft in der Aktion des Künstlers. Im selben Raum darf dann auch ein Rothko und ein Manessier nicht fehlen. In den Räuemen danach verstört Catellans meditierender Hitler, ebenso der Ausdruck des Geistigen im Opfer bei Hermann Nitsch. Max Ernsts

„Züchtigung des Jesusknaben“ erwartet einen in der Abteilung mit blasphemischen Bildern. Für moderne Beispiele sakraler Kunst nach den Anregungen von Père Couturier stehen u.a. Newmann und Richter. Experimente unter Drogeneinfluss aus den sechziger und siebziger Jahren eröffnen einen weiteren Versuch, die Welt dahinter oder in der Tiefe des Lebens zu finden. Und dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist finden wir in Beispielen von Bacon, Chagall und Rouault.

Am Ende findet sich ein versöhnlicher Abschluss: Ein Raum ist mit einem Meer von Einser - Würfeln übersät. Jeder Mensch, in die Unendlichkeit geworfen, findet sich in einer höheren Einheit wieder. Robert Fillious: „Eins, Un, One“ (1984) liefert hier in der Geste der verstreuten Würfel, die immer nur eine Eins hervorbringen können, die Hoffnung, das alles irgendwie am Ende eins wird. Damit tritt die Person des Künstlers wieder in den Mittelpunkt der Ausstellung: Der Künstler weist wie Johannes der Täufer im Isenheimer Altar (Katalog S.23) aus der Leere heraus auf das letzte Sakrale im Menschen. Das Geistige und Heilige in einer „entzauberten Welt“ findet und offenbart sich im humanistischen Anliegen des Künstlers.

So schließt sich der Kreis, der mit einem Lichtobjekt seinen Anfang genommen hat und dem Betrachter am Ende wieder begegnet. Die Spurensuche scheint abgeschlossen und als Aufgabe formuliert: Das Lichtobjekt von Bruce Nauman erleuchtet den Schriftzug: „The True Artist Helps the World by Revealing Mystik Truths“

Markus Geißendörfer

 

www.hausderkunst.de



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